Ist mein Manuskript gut?

 

Wenn der Autor ein Manuskript fertig geschrieben und überarbeitet hat, beginnt der zweite Teil der Arbeit am Buch. Das Manuskript wird getestet, indem jemand anderes als der Autor es liest.


Betaleser
Als Betaleser bezeichnet man Leser, die das Manuskript/Buch in diesem Stadium zu lesen bekommen, mit der Aufgabe, anschließend eine Lesermeinung dazu zu äußern. Oft sind Freunde und Verwandte die Betaleser, empfehlenswerter ist es aber, sich neutralere Helfer zu suchen. Dafür gibt es z. B. Foren, in denen man entweder den Text einstellt oder in denen man per Aufruf Betaleser suchen kann.
Vorteil: Eine Bezahlung dieser Leistung ist praktisch nie vorgesehen. Außerdem hat man es meist mit ausgesprochen wohlwollenden Leser zu tun, so dass das Risiko, eine schlechte Kritik zu bekommen, begrenzt ist.
Nachteil: Betaleser sind meist „nicht vom Fach“. Das heißt, sie können selten fundiert Schwächen aufzeigen, oft sind sie – auch wenn sie nicht direkt zum Freundes- oder Verwandtenkreis gehören – zu sehr auf Lob geeicht, um effektiv auf Störstellen hinweisen zu können.
Konsequenz: Betaleser sind zwar besser als gar keine Vorab-Tester vor der Bewerbung beim Verlag oder vor dem Selfpublishing, aber selten wirklich kompetente Helfer beim Verbessern.

Freier Lektor
Freie Lektoren können im Auftrag von Verlagen arbeiten (sind dort aber nicht angestellt) oder im Auftrag von Autoren. In beiden Fällen prüfen sie das Manuskript auf Schreibhandwerkliches und Erzählerisches. Stil, Dramaturgie, Figurenzeichnung, Handlungslogik sind dafür einigen Stichpunkte – alles mehr oder wenig „weiche“ Kriterien eines Textes.
Lektor ist kein geschützter Beruf, man muss keine Ausbildung dafür absolvieren oder Prüfungen ablegen. Von „ehrenamtlichen“ Lektoren in Foren bis zu hochbezahlten Stars der Branche reicht die Preisspanne.
Vorteil: Lektoren haben oft durch ihre Ausbildung und/oder ihre bisherigen Umgang mit Text eine gewisse Kompetenz und können fachkundig und konkret auf Problemstellen hinweisen und Lösungsideen anbieten, statt nur allgemeine Aussagen wie „das ist nicht spannend“ zu machen.
Nachteil: Jeder, der will, kann sich Lektor nennen, selbst wenn er noch nie einen Text aus fremder Feder unter die Lupe genommen hat – die Fachkompetenz ergibt sich also nicht automatisch aus der Bezeichnung. Das kann vor allem bei bezahlten Lektoraten ärgerlich sein. Da im Lektorat vor allem „weiche Kriterien“ zur Sprache kommen, die auch von künstlerischer Sicht und persönlichen Vorlieben geprägt werden, muss man einen Lektor finden „mit dem man kann“.
Konsequenz: Lektoratsagebote gründlich prüfen! Wer z. B. lediglich „Stilistik“ zu prüfen anbietet, bietet de facto kein komplettes Lektorat an. (Rechtschreibung und Grammatik zu prüfen ist Korrektoratsaufgabe.) Wenn auf der Homepage des Anbieters Referenzprojekte vermerkt sind: Den entsprechenden Autor kontaktieren! Die meisten Autoren helfen „Kollegen“ gern mit Tipps weiter. Probelektorat vereinbaren, am besten die selbe Passage von verschiedenen Lektoren ansehen lassen!
Zusatz 1: Natürlich können Sie sich auch ein Bild machen, indem Sie die Referenzobjekte selbst lesen oder sich Rezensionen dazu ansehen. Beachten Sie dabei, dass die Arbeit des Lektors sich nicht eins zu eins im Endprodukt ablesen lässt! Genau genommen müssten Sie die Ausgangsversion des Buches kennen und verfolgen, wo der Autor (aus künstlerischen oder anderen Gründen) etwas nicht geändert hat oder wo seine Fähigkeiten zu ändern an Grenzen gestoßen sind.
Zusatz 2: Zur Abgrenzung zum Verlagslektor, dessen Aufgabe es in erste Linie ist, Buch und Autor auf dem Weg zur Veröffentlichung zu Betreuen, spricht man hin und wieder auch vom Redakteur, wenn man denjenigen meint, der sich um Stil, Struktur und Logik im Text kümmert.

Korrektor
Ein Korrektor prüft auf Rechtschreib-, Grammatik- und Semantikfehler, sowie auf grobe inhaltliche Fehler. Für Fachtexte sollte man deshalb ein Fachkorrektorat engagieren. Die hier anvisierten Fehler sind „harten Fakten“, es steht also (außer im Rahmen der amtlicherseits festgelegten Kann-Varianten) außer Diskussion, ob etwas falsch oder richtig ist.
Korrektor ist kein geschützter Beruf, man muss keine Ausbildung nachweisen oder Prüfungen ablegen. Schreibbüros nennen diesen Service manchmal nicht beim Namen, aber immer, wenn das Aufspüren der oben genannten Fehlerarten versprochen wird, handelt es sich um ein Korrektorat. Für Korrektorate bezahlt man in der Regel ein deutlich geringeres Seiten-Honorar als für Lektorate.
Vorteil: Gerade wenn man „in der Geschichte steckt“ entgehen einem Fehler. Ein Korrektor sogt dafür, dass man (zumindest) in dieser Hinsicht ordentlich lesbare Texte abliefert.
Nachteil: Jeder, der will, kann Korrektorate anbieten, selbst wenn er selbst nicht sattelfest ist oder sich zu leicht vom Text mitreißen lässt und dabei Fehler übersieht. Das kann vor allem bei bezahlten Korrektoraten ärgerlich sein.
Konsequenz: Korrektoratsangebote gründlich prüfen! Wenn auf der Homepage des Anbieters Referenzprojekte vermerkt sind: Nachschauen, ob in Rezensionen Fehlerhäufungen im Buch erwähnt sind! (Natürlich könnte es sein, dass der Autor die Fehler, auf die er vom Korrektor hingewiesen wurde, nur nicht behoben hat; ich wüsste aber keinen Grund, warum er das tun sollte.) Kurzes Probekorrektorat vereinbaren, am besten die selbe Passage von verschiedenen Korrektoren ansehen lassen! Da es höchste Konzentration erfordert, ein blitzsauberes Korrektorat durchzuführen, bitte – trotz Preisvorteil – niemals darauf einlassen, wenn jemand Lektorat und Korrektorat in einem Durchgang zu erledigen anbietet! Im Idealfall das Korrektorat am druck/abgabefertigen oder sogar schon am gesetzten Text vornehmen lassen!
Zusatz: Lektoren bieten hin und wieder an, auf korrektoratsrelevante Fehler hinzuweisen bzw. sie tun es einfach. Das ersetzt kein Korrektorat! Denn: Lektoren konzentrieren sich auf sehr viele andere Dinge, dabei können ihnen Tipp-, Komma- und andere Fehler entgehen.

Zusammenfassung: Betaleser und freie Lektoren kümmern sich (mit unterschiedlicher Kompetenz) um das Erzählhandwerk und geben ihre mehr oder weniger fundierte Meinung ab. Korrektoren kümmern sich um echte Fehler, die nicht „Meinung“ sind. In beiden Fällen kann der Autor entscheiden, ob er die Hinweise berücksichtig – bei den echten Fehlern sollte er jedoch sehr, sehr gute Gründe haben, die Korrektur nicht auszuführen.
Hinweis: Wenn man das Glück hat, dass ein echter Verlag das Buch herausbringen will, muss man sich als Autor mit den Regeln und Ansprüchen des Verlages auseinandersetzen; so haben Verlagslektoren meist Aufgaben, die weiter als die hier genannten reichen.